Wohnmobil wird zur Arztpraxis

von am 22. November 2017 in News - Friesenheim

Wohnmobil wird zur Arztpraxis

Kostenlose Blutzuckertests, Blutdruck- und Cholesterinmessungen, Lungenfunktion oder EKG – wer wollte, konnte sich auf der neunten Gesundheitsmesse des GO-LU Ärztenetzes im Pfalzbau so richtig durchchecken lassen. 60 Stände auf zwei Etagen, spannende Vorträge und ein begehbares Herz erwarteten die laut Veranstalter fast 6000 Besucher, von denen rund 1000 ganz gezielt die farbigen Ballons des „Gesundheitsparcours“ ansteuerten. Diese führten von Messstation zu Messstation. An der letzten wurden die gewonnenen Daten in einer persönlichen, kostenlosen Risikobewertung vom Computer ausgewertet. Tipps und Empfehlungen gab es bei Bedarf mit dazu.
„Das lässt man eher über sich ergehen, als Termine bei verschiedenen Ärzten auszumachen“, freute sich Susanne Burnes (54) aus Mannheim über diesen Service. „Die Messung vom Muskel- und Körperfettanteil finde ich ganz toll“, ergänzte ihre Schwester Angelika Ruppel (57) aus Limburgerhof. Nur Tochter Monika (32) hätte sich mehr Angebote zum Thema „Work-Life-Balance“ gewünscht. „Vor zwei Jahren waren noch Fitness-Studios mit dabei“, erinnerte sie sich. „Der Fokus sollte mehr auf Prophylaxe liegen.“
Dass es diese Angebote durchaus gab, zeigt ein Blick ins Programm: Stressbewältigung durch Bewegung und Entspannung war das Thema eines Vortrags. Ein Judo-Verein und eine Tanzschule zeigten ihr Können, und im Rückenmobil wurde die Wirbelsäule vermessen. „Das ist vor allem für Büroangestellte wichtig, die den ganzen Tag sitzen“, meinte GO-LU-Geschäftsführerin Michaela Steiert. Bei Bedarf gab es dann Empfehlungen für spezielle Kurse, die von der Krankenkasse bezahlt werden.
Gleich daneben auf dem Theaterplatz stand das Untersuchungsmobil der Arbeitsmediziner, ein weiterer Höhepunkt der Messe. Besucher standen bereitwillig Schlange, um sich ein EKG schreiben zu lassen. Das umgebaute Wohnmobil verkürzt etwa Mitarbeitern von Baumärkten oder Speditionen den Weg zum Betriebsarzt. Was Firmen Zeit und Geld spart, ist für Dr. Hans-Jürgen Merkel aus Oggersheim „die Lösung für die zunehmend katastrophale ärztliche Versorgung auf dem Land“ – ein Problem, das die Politik nicht länger totschweigen könne. Bei den Betriebsärzten sieht es nicht besser aus. Die bundesweit 42 Millionen Beschäftigten werden von gerade einmal 12 000 Betriebsärzten versorgt, von denen etwa 42 Prozent über 65 Jahre alt sind, erklärte ein Arbeitsschützer.
Mit dabei war auch Thomas Knorr (65) von Gut Hören. In einem eigens dafür angemieteten Raum führte sein Team aus Friesenheim professionelle Hörtests ohne Störschall durch. Auch hier waren die Schlangen lang. Wer wollte, konnte ein Hörgerät der neuesten Generation in die Hand nehmen. „Aber Vorsicht“, so Knorr, denn das ist gerade einmal so groß wie eine Kaffeebohne, sind echte Hightech und haben nichts mehr mit den Ungetümen von einst zu tun.

Risiko Blutzucker

Platz nehmen durften Besucher im neuen Fahrzeug des DRK-Patientenfahrdienstes. Damit werden Gehbehinderte für den Besuch beim Arzt, der Reha oder zur Dialyse zu Hause abgeholt. Der Bedarf nimmt weiter zu. Wie wichtig Aufklärung ist, zeigte sich auch am Stand der GO-LU selbst. Dort wurde nicht nur das Herzschwächeprogramm vorgestellt, über das mittlerweile mehr als 1000 Patienten betreut werden, sondern auch der Blutzucker gemessen. Den Schwestern fiel dabei eine ältere Dame auf, die auf einen Wert von mehr als 500 kam. „Sie wollte sogar noch Auto fahren“, so Carmela Vella. Dabei hätte sie einen Schock erleiden können, sich selbst und andere gefährdet. Kurzfristig habe Platz nehmen und Wasser trinken geholfen. Mittelfristig helfe nur Insulin, um Organschäden, Zelltod, Herzinfarkt und Schlaganfall als Langzeitfolge zu vermeiden. hbg

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