Wer war eigentlich Emil Heckel?

von am 14. Januar 2014 in Artikel-Archiv

Wer öfter durch den Lindenhof streift, der kreuzt mit Sicherheit auch ab und an die Emil-Heckel-Straße. Den Namen kennt man irgendwie. Aber wer war Emil Heckel eigentlich? In einer Ausstellung, die noch bis zum 16. Februar 2014 im Museum Weltkulturen D5 der Reiss-Engelhorn-Museen (rem) läuft, kann man den Mannheimer Musikalienhändler, der eng mit dem Komponisten Richard Wagner befreundet war, näher kennen lernen.

Er lebte von 1831 bis 1908 und wohnte mit seiner Frau Marie in einem Haus im Quadrat O3, 10, unweit des Paradeplatzes. Dort befanden sich auch die Geschäftsräume seiner Instrumenten- und Musikalienhandlung, deren Anfänge bis in die 1820er Jahre zurückreichten.

Anlass der Ausstellung ist zwar der 200. Geburtstag des berühmten Komponisten. Bereits im Mai hatte aber die Kunsthistorikerin Anja Gillen ein Buch über Heckel herausgebracht. Auch in der Ausstellung steht Emil Heckel im Mittelpunkt. Und diese widmet sich der einzigartigen Verbindung zwischen den Musikzentren Bayreuth und Mannheim im 19. Jahrhundert. Unter den knapp 100 Exponaten, von denen einige noch nie zu sehen waren, befinden sich beispielsweise auch ein Stuhl aus der Erstbestuhlung des Bayreuther Festspielhauses, zahlreiche Instrumente, die sich Wagner anfertigen ließ, aber auch Briefe Heckels. „Wir haben dabei auch bewusst Briefe ausgestellt, in denen Emil Heckel stark gegen die Mannheimer Juden hetzte“, so die Kuratorin Liselotte Homering. Denn der Mannheimer Musikalienhändler hatte, genau wie Wagner, eine stark antisemitische Einstellung. Deshalb verwehrte ihm die Stadt Mannheim einst die Ehrenbürgerwürde – benannte aber die ehemalige Gasfabrikstraße auf dem Lindenhof nach ihm.

„Seine Einstellung schmälert seinen Verdienst. Doch er hat viel für die Bayreuther Festspiele getan“, erklärte Homering. Er sei ein guter Kaufmann gewesen, konnte gut rechnen. Und Emil Heckel war es, der im Jahr 1871 als Einziger auf eine öffentliche Bitte Wagners um Unterstützung reagierte, um dessen Traum von einem Festspielhaus in Bayreuth verwirklichen zu können. Heckel versuchte, Geld dafür aufzutreiben. Es entstand eine Freundschaft zwischen den beiden. Der Mannheimer gründete unter anderem den ersten Richard-Wagner-Verein. „Er hat sich geradezu missionarisch für Wagners Werk eingesetzt. Der Komponist wurde für ihn zu einem Gott“, sagte die Kuratorin. Auch wenn Heckel nicht von Anfang an gut auf Wagner zu sprechen war.

Die Ausstellung gewähre erstmals nach über 50 Jahren wieder einen Einblick in den umfangreichen und bedeutenden Nachlass Emil Heckels, teilen die rem mit. Der über 622 Objekte umfassende Nachlass wird seit 1965 im Mannheimer Stadtarchiv verwahrt. Er enthält mit dem Briefwechsel zwischen Emil Heckel und Richard Wagner zu den Vorarbeiten des Bayreuther Festspielunternehmens den vollständigsten Komplex im Bereich der Richard-Wagner-Forschung neben den Briefwechseln zwischen Richard Wagner und König Ludwig II. sowie Richard Wagner und Franz Liszt. In der Ausstellung befindet sich auch ein ganz besonderes Exponat: ein Gralsglockenklavier der Klaviermanufaktur Steingraeber & Söhne, welches erstmals in einer Ausstellung zu sehen ist.

Das frisch restaurierte Glockenklavier aus Privatbesitz sei höchstwahrscheinlich ein Originalinstrument der Bayreuther Festspiele, heißt es seitens der rem. Richard Wagner ließ das Instrument speziell für die vier Töne des Glockengeläuts in seinem Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ anfertigen – Besucher dürfen darauf sogar spielen.

Es ist eine spannende Ausstellung, die die guten und die schlechten Seiten eines Mannes näher bringt, der auf dem Lindenhof mit einem Straßennamen verewigt wurde. Und wenn dann ein Lindenhof-Gast beim überqueren der Straße fragt, wer Emil Heckel war, hat man nach dem Museumsbesuch einiges zu erzählen.             jm

Info: Die Ausstellung „Von Feuerzauber und Gralsgesang. Emil Heckel und Richard Wagner in Bayreuth und Mannheim“ läuft bis 16. Februar 2014 im Erdegeschoss des Museums Weltkulturen in D5. Sie ist von Dienstag bis Sonntag (auch an Feiertagen, außer Heiligabend und Silvester) von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der gleichnamige Begleitband von Anja Gillen ist im Wellhöfer-Verlag Mannheim erschienen. Er enthält 104 Seiten und 80 Abbildungen und hat die ISBN-Nummer 978-395428-130-5. Das Buch kostet 19,80 Euro. Weitere Informationen erhält man im Internet unter www.rem-mannheim.de oder unter der Telefonnummer 0621/2933150.

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