Viel „Gebabbel“, kein Drehbuch

von am 8. Februar 2017 in Artikel-Archiv

Beim Dreh für den nächsten Ludwigshafener „Tatort“ mit dem Titel „Babbeldasch“ und Ulrike Folkerts als Kommissarin Lena Odenthal war vieles anders. Regisseur Axel Ranisch setzte bei seinem Debüt für die ARD-Krimi-Reihe auf Improvisation, ein festes Drehbuch gab es nicht. Ein Jahr lang wurden gemeinsam mit den Darstellern die Figuren entwickelt und ein grober Handlungsfaden erstellt. „Wild und leidenschaftlich ging es am Set zu“, sagte der 32 Jahre alte Ranisch. „Wir haben richtig auf die Kacke gehauen.“

Beispiel: Eine Szene mit Sessel und Sofas aus rotem Plüsch, die sich um alte Holztischchen mit rosa Tischtuch gruppieren. Regisseur Axel Ranisch steht im Foyer des Theaters Hemshofschachtel in der Leuschnerstraße und blickt die Mitglieder des Mundart-Ensembles strahlend an. „Wir drehen jetzt die schöne Szene Massenverhör.“ Nach dem Tod der Theater-Gründerin ist in der Filmhandlung praktisch jeder verdächtig und wird von der Kommissarin verhört. „Die Fragen verraten wir jetzt nicht, damit ihr spontan bleibt“, sagt Ranisch.

 

„So hab ich noch nie gespielt“

 

„Unglaublich anders“, so beschreibt Hauptdarstellerin Ulrike Folkerts die Dreharbeiten. „Als ich von der Idee gehört habe, dachte ich zuerst, das kann nicht euer Ernst sein“, erzählte sie. Ranisch ließ in chronologischer Reihenfolge drehen, und er hatte auch Folkerts nicht verraten, wer der Mörder ist. „Da stelle ich ganz andere Fragen, weil ich ja wirklich nichts weiß“, sagt Folkerts. Das Improvisieren ermögliche große Freiheit. „Da kommen sehr wahrhaftige Momente dabei heraus“, so Folkerts. Das gilt natürlich auch für die Darsteller der Hemshofschachtel, die neben dem Schauspielern teils ganz gewöhnlichen Berufen nachgehen.

„So hab ich noch nie gespielt. Ich darf machen, was ich will“, erzählte Theater-Gründerin Marie-Louise Mott in breitem pfälzischem Dialekt. Sie berichtete von ihrer ersten Begegnung mit Axel Ranisch am Set. „Bübchen, was machst du denn hier?“, habe sie ihn gefragt. „Ich dachte, das ist vielleicht der Kabelträger.“ Inzwischen lachen beide gemeinsam darüber. Folkerts zeigte sich begeistert von Motivation und Leidenschaft der Amateur-Schauspieler. Weil vier Wochen am Stück gedreht wurde, hätten sich viele sogar Urlaub genommen. Auch die pfälzische Mundart hat die 55-Jährige ins Herz geschlossen. „Das versteht man wahnsinnig gut, wir werden da auf keinen Fall Untertitel drunter setzen.“              red

i Zu sehen gibt es den Hemshofschachtel-Tatort „Babbeldasch“ am Sonntag, 26. Februar, ab 20.15 Uhr in der ARD.

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