Über den vergessenen Reformator

von am 9. November 2018 in Artikel-Archiv

Pfarrer Thomas Kiefer (Bild rechts) von der protestantischen Paulusgemeinde referierte zum Thema „Heinrich Bullinger, der vergessene Reformator“ beim offenen Männerstammtisch St. Gallus – St. Josef im Gallus-Heim. Wenn man über die Reformation spricht, dann fallen drei Namen: Luther, Zwingli und Calvin. Einer werde dabei aber immer vergessen: Heinrich Bullinger, der nach dem Tod von Zwingli dessen Nachfolge antrat, so Pfarrer Kiefer. In seinem Vortrag skizzierte er den Lebensweg des Reformators und die Bedeutung seiner Tätigkeit und Schriften für die reformierte Kirche in der Schweiz und Europa. Heinrich Bullinger wurde in Bremgarten im Kanton Aargau geboren. Er sollte Priester werden und besuchte die Lateinschule. Später studierte er an der Universität Köln und erwarb den Magistergrad. Wie Zwingli und Calvin, aber anders als Luther, hatte Bullinger kein Theologiestudium absolviert. Die Lektüre von Erasmus, Melanchthon und Luther veranlassten aber seine Hinwendung zur Reformation. In der Abendmahlsfrage blieb er auf der Linie Zwinglis und lehnt jeden Kompromiss mit Luther ab: Er vertrat die symbolische, nicht reelle Gegenwart Christi im Abendmahl. Mit Calvin erarbeitete er den „Consensus Tigurinus“, der eine Einigung in der Abendmahlsfrage zwischen Zwinglianern und Calvinisten herbeiführte und so eine getrennte Entwicklung der beiden reformierten Richtungen verhinderte. Er schrieb das Zweite Helvetische Bekenntnis, eine Sammlung doktrinaler Thesen, das von den meisten protestantischen Kantonen angenommen und zur Referenz für das ganze reformierte Europa wurde. Bullinger hatte beträchtlichen Einfluss durch seine Predigten, seine Bibelkommentare und seinen überaus umfangreichen Briefwechsel. Mit über 12 000 Briefen stand er mit Theologen, Pastoren, regierenden Prinzen und Politikern in ganz Europa im Gedankenaustausch. Er beeinflusste besonders die puritanische Bewegung in England. Insgesamt war dies ein interessanter Abend, auch für die heutige Zeit, gerade zum Thema der Ökumene und gemeinsamer Aktivitäten der beiden Kirchen in Friesenheim. gh/Bild: Hilbert

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