Erholung pur – ganz in der Nähe

von am 10. Juli 2015 in Artikel-Archiv

Das Strandbad wurde für rund 600.000 Euro saniert. Und es kann sich sehen lassen. Doch es steht auch noch einiges an. Unter anderem steht das Camping-Gebäude im Westteil des Strandbads vor dem Abriss.

Wer in der Quadratestadt ein bisschen Erholung sucht, mal in Flussnähe etwas Essen gehen oder Grillen möchte, sollte einen Ausflug ans Strandbad wagen. Eigentlich ist dies für die Mannheimer schon lange kein Geheimtipp mehr, doch jetzt, wo eine Sanierung das Gelände sichtbar aufgewertet hat, lohnt sich der Weg dorthin vielleicht mehr denn je.

Für die Mannheimer selbst ist das Strandbad schon seit geraumer Zeit ein beliebter Treffpunkt. Er ist nah am Wasser und bietet auch Kindern viel Auslauf. Auf ausgewiesenen Flächen ist das Grillen erlaubt, und besonders in den Abendstunden bei Sonnenuntergang kommt im Sommer durchaus ein Stück „Urlaubsfeeling“ auf. Eine Strandpromenade gibt es schon eine Weile, doch nun ist sie deutlich hübscher. Denn die etwa zehn Meter breite, etwas lieblos wirkende Piste wich einer schmaleren Promenade aus Farbasphalt. Für Oberbürgermeister Peter Kurz begrüßenswert: „Es kommen keine 10.000 Besucher am Tag, so brauchte es diese Betonpiste nicht“, sagte er bei der offiziellen Einweihung nach der Sanierung.

Rund 4.000 Menschen kommen laut ihm täglich dorthin. Gedränge gibt es also auf der nun etwa fünf Meter breiten und 400 Meter langen Flaniermeile nicht. Die rund 600.000 Euro teure Sanierung brachte aber auch noch weitere Veränderungen mit sich. Beispielsweise die so genannten Strömungsbänke im Kiesbereich direkt am Rhein. Acht Betonplattformen bieten nun Platz als Ruhe- und Liegezonen. Auch die Sitzbänke wurden erneuert. Ausflügler können sich jetzt auf einer der zehn Betonbänke mit Holzauflage ausruhen und den Blick über den Fluss Richtung Ludwigshafen schweifen lassen. In den Bänken ist eine Beleuchtung integriert, die einen atmosphärischen Abendspaziergang versprechen. Ein kleiner Wasserspielplatz dürfte die Kinderherzen erfreuen. Störend war auch eine Müllpresse, die jedoch im Rahmen der Sanierung verlegt wurde. Und fast 30 neue Bäume sorgen für mehr Grün.

Insgesamt hatte sich das Sanierungsende wegen des Hochwassers um fünf Wochen verschoben. Dem Ziel Mannheims, zur „Stadt am Fluss“ zu werden, ist man damit aber einen Schritt näher gekommen. Und daher sprach der OB bezüglich des Strandbads von einem wichtigen Abschnitt, auch wenn dieser im Vorfeld intensive Diskussionen hervorgerufen habe.

Ein erster Schritt in Richtung Modernisierung des Strandbads erfolgte schon vor ein paar Jahren, als das Gastronomiegebäude neu gebaut wurde. Auch dies sei ein Vorzeigeprojekt, so Kurz. Denn einerseits erfülle das Gebäude die Öko-Anforderungen des europäischen „Green Building Standards“. Das heißt, es kommt vollständig ohne fossile Brennstoffe aus. Andererseits sei es das Ergebnis eines kooperativen Planungsprozesses der Stadt mit den Bürgern.

„Das Strandbad ist für die Mannheimer eine Institution“, so Kurz. Und eine Tradition, deren Wurzeln bis zu den ersten Plänen ins Jahr 1912 zurückreichen. Die Einweihung folgte 1927. Und weil der Kiesstrand sanft in den Rhein mündet, bietet das Strandbad tatsächlich einen besonderen Zugang zum Wasser. Allerdings ist das Baden dort nach wie vor aus Sicherheitsgründen verboten. Mit Badminton- und Beachvolleyballfeldern gibt es dennoch genügend Möglichkeiten, um Grillsteaks und Co. noch vor Ort sportlich zu begegnen.

Auch der Förderverein Mannheimer Strandbad (Mastra) ist durchaus mit den Maßnahmen zufrieden. „Wir finden, dass die Sanierung gelungen ist“, sagte Gisela Korn-Pernikas, erste Vorsitzende des Fördervereins, gegenüber Lindenhof aktuell. Ein paar Ideen haben die Mitglieder allerdings noch. Beispielsweise könnte die neue Promenade noch weitergeführt oder eine ebenerdige Gastronomie am Strandbad-Restaurant im Ostteil ermöglicht werden. „Dazu müsste man in diesem Bereich die Promenade noch etwas verbreitern“, erklärte Korn-Pernikas. „Verbreitern“ ist ein gutes Stichwort. Denn ohne den Förderverein, der im Rahmen der Sanierung Jurymitglied war, und die Agenda Neckarau wäre die Promenade wohl nicht fünf Meter breit, sondern nur drei. Gemeinsam haben sich die beiden Vereinigungen dafür eingesetzt, den Weg sieben Meter breit zu gestalten – die fünf Meter seien ein Kompromiss, so die erste Vorsitzende des Fördervereins.

Des Weiteren wünscht sie sich, dass der Bereich unter den Stelzen des Gasthauses noch einmal in Augenschein genommen wird. „Darunter sieht es nicht so schön aus. Man denkt, man schaut in eine Tiefgarage“, sagt Korn-Pernikas. Konkrete Vorschläge habe der Förderverein noch nicht, wie man diesen Bereich schöner gestalten könnte, doch laut Korn-Pernikas stehen Gespräche mit der GBG Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft an, die diese Thematik beleuchten.

Neben Fahrradständern in Gastronomienähe des östlichen Strandbads steht ein Radweg zum Strandbad auf der Wunschliste des Fördervereins. Besonders den Weg vom Kreisel an der Rheingoldstraße bis zum Strandbad bemängelt die erste Vorsitzende. „Ab da ist der Radverkehr ungeregelt“, sagt sie. Da müsse für den Radverkehr unbedingt etwas gemacht werden. Aktiv ist der Förderverein mit weiteren Mitstreitern auch am Thema Camping-Gebäude im Strandbad West dran. „Ein Neubau muss her“, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Denn das Gebäude sei baufällig, eventuell müsse es aus Sicherheitsgründen bald geschlossen werden. Auch von einem Abriss, wenngleich nicht vor 2016, ist die Rede.

Der Förderverein Mastra hatte einst ein Mitbestimmungsmodell beim Planungsprozess des Neubaus gefordert. Letztendlich wurde ein Runder Tisch installiert, an dem neben Mastra auch die Agenda Neckarau, der hiesige Campingverein, der Pächter des Bistros, die DLRG und Bezirksbeiräte beteiligt sind. Gemeinsam setzten sie sich für einen sinnvollen Neubau mit einem stimmigen Bild zur Nutzung und Gestaltung des Camping-Gebäudes ein. „Nun müssen erst einmal Mittel im Haushalt eingestellt werden“, so Korn-Pernikas mit Blick in die weitere Planungszukunft. Es wird sich also noch Einiges am Rheinufer tun, doch ein Abstecher ans Strandbad ist bereits jetzt schon ein erholsames Erlebnis für Groß und Klein.             jm

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