Schiller-Klassiker in Kurzform inszeniert

von am 8. November 2016 in Artikel-Archiv

Eine kurzweilige, turbulente Version von „Kabale und Liebe“ an einem besonderen Ort bot das Nano-Theater im Kulturm in der Rollesstraße. Vielen dürfte Schillers angestaubter Klassiker um eine unstandesgemäße Liebe und die Intrigen drumherum noch aus der Schulzeit in Erinnerung sein, vielleicht nicht in bester. Das junge Ensemble aus fünf Schauspielern zwischen 17 und 19 Jahren hat es geschafft, den Stoff unter der Regie von Eva Adorjan auf knapp 30 Minuten zu verdichten – sprachlich ganz am Original, dramaturgisch fesselnd und verständlich.

Als Bühnenbild reichten drei Leitern. Sie waren wie die Kostüme in Schwarz-Weiß-Kontrasten gehalten. Die fromme und rechtschaffene Luise (Anjali Bröcker) ist eher in unschuldigem Weiß gehalten, der Präsident (Emma Sammet) dagegen in Schwarz. Er geht der Macht um der Staatsräson willen über Leichen, und den Plan dazu heckt sein Sekretär Wurm aus. Der wird ebenso wie Präsidenten-Sohn Ferdinand von Mark-Kevin Denig gespielt; aus der Schärpe wird dann ein Schal.

 

Zwischen Komik und Entsetzen

 

Auch Madeleine Ciecor und Sebastian Schmitz spielen Doppelrollen, die klar unterscheidbar sind. Musikeinspielungen bis hin zu Gesangseinlagen sorgen für eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Komik und Entsetzen. Denn auch in der Nano-Version kann das Liebespaar die Gegensätze nicht überbrücken, muss sich mit aller Kraft gegen gesellschaftliche Konventionen stemmen und fällt letztendlich finsteren Machtspielen zum Opfer.

„Das war bravourös umgesetzt, auf kleinem Raum und mit Aussicht“, lobt Doris Kreil aus Heidelberg das Ambiente. Das Publikum musste für die Premiere ganz nach oben, auf die Plattform des früheren Bunkers. Die Treppen nach oben – und vor allem wieder runter – sind freilich nichts für Menschen mit Höhenangst.

Bernd Albert, der Geschäftsführer und künstlerische Leiter, bot dazu eine Führung an. Immerhin hat der wohl ungewöhnlichste Veranstaltungsort im Hemshof eine bewegte Geschichte: „Manche sagen, wir stehen in einem Bunker, andere in einem Wasserturm oder Hotel – und sie haben alle recht“, so Albert. 1942 als Bunker gebaut, wurde darauf 1953 der Wasserturm gebaut. In dieser Zeit konnten Bauarbeiter im „Turmhotel“ günstig übernachten. Heute haben im Kulturm ein Café, Kunst und Kultur ein Zuhause.             hbg

Ein Nano-Theater-Event mit Turmführung steht für den 20. November auf dem Programm. „Absurd!“ heißt es dann ab 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr), mit einer Klanginstallation im Anschluss. Am 18. Dezember wird „Poesie vor Weihnachten“ geboten, Einlass ist ab 17 Uhr.

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