Projekte nehmen langsam Form an

von am 10. Dezember 2015 in Artikel-Archiv

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen, 2015 hat sich das Stadtbild im Lindenhof wieder enorm verändert. Ob Glückstein-Quartier, Suez-Kanal oder Meeräckerplatz, es tut sich Einiges im Stadtteil. Lindenhof aktuell fasst zusammen, wie der momentane Stand bei den jeweiligen Projekten ist und was als nächstes angegangen wird. 

Bahnsteig F und Tunnelstraße

Seit September 2014 arbeitet die Deutsche Bahn am neuen Bahnsteig F, der zum Lindenhof hin entsteht. Investiert werden hierfür rund 45,5 Millionen Euro, darin sind auch die Arbeiten an der Tunnelstraße – besser bekannt als „Suez-Kanal“ – enthalten. Mitte November lud die Bahn schließlich zu einem Ortstermin, um über die Fortschritte bei dem Projekt zu informieren.

„Die Arbeiten sind voll im Zeitplan“, so Projektleiter Stefan Geckle, „aber wir bauen ja hier nicht irgendwas, sondern eine komplizierte Anlage im laufenden Bahnbetrieb“. Dringend waren die Maßnahmen auf jeden Fall, denn „Mannheim als Knotenpunkt ist so langsam an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen“.  Im September 2016 will man mit dem Bahnsteigbau beginnen, Ende 2017 hofft man auf die Inbetriebnahme des 210 Meter langen Bahnsteigs. Im Zuge der Arbeiten werden einige Gleise näher an die B36 gelegt, der Bahnverkehr rückt also näher an den Lindenhof heran. Darum stellte Bezirksbeirat Wolf Engelen die berechtigte Frage, wie es denn mit dem Lärmnschutz ausehe. Bei einem Planfeststellungsverfahren im Jahre 2013 sei eine Messung durchgeführt worden. Damals, so Geckle, sei festgestellt worden, dass ein Lärmschutz nicht nötig sei. Allerdings, gab Geckle zu, „wurde das damals nach dem ‚Jetzt-Zustand‘ entschieden“, also ohne die Gebäude, die im Glückstein-Quartier noch entstehen werden. „Dass musste damals entschieden werden, sonst kommt es zu keinem Verfahren“. Für Engelen eine „äußerst seltsame“ Entscheidung.

Ein großes Thema, das bei den Lindenhöfern Besorgnis auslöst, ist der „Suez-Kanal“. Seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, dass der Tunnel nach der Sanierung komplett für den Autoverkehr geschlossen werden soll. Seit Wochen sammelt der Gewerbeverein Lindenhof gemeinsam mit der Mannheimer Liste Unterschriften, die Anfang Dezember an die Stadt übergeben wurden. Rund 1500 Unterschriften sollen zusammen gekommen sein. Daran knüpft Stadtrat Roland Weiß (ML) auch die Forderung, „dass im Zuge der Sanierungsmaßnahme auch der Fußgängerweg und die Beleuchtung verbessert werden sollen“.

Ähnlich fordert es auch die CDU in einer Pressemitteilung: Die Stadtverwaltung hatte im Zuge der Umgestaltung der Bismarckstraße und der Erweiterung des Gleises F am Mannheimer Hauptbahnhof die Überlegung in den Raum gestellt, den Suezkanal dauerhaft für den PKW-Verkehr zu sperren. Wir als CDU distanzieren uns von solchen Überlegungen und fordern die schnellstmögliche Wiedereröffnung des Suezkanal“, so Stadtrat Löbel.

„Eigentlich müsste der Suezkanal auch saniert werden. Wenn hierzu (…) kein Geld vorhanden ist, dann müssen wir zumindest bis zur Wiedereröffnung das notwendigste tun in Sachen Sicherheit und Sauberkeit“, ergänzt die für den Lindenhof zuständige Stadträtin Dr. Adelheid Weiss.

Aber gibt es überhaupt Pläne den Tunnel zu schließen? „Davon wissen wir nichts“, so Geckle. „In dem Bereich, wo wir arbeiten, wird der Tunnel von uns saniert“. Und der Bereich geht bis zum Bahnsteig 10. Vorgesehen sind ein Gehweg auf der einen, ein Radweg auf der anderen Seite, in der Mitte die Straße für den Pkw-Verkehr. Neu ist lediglich eine Verlängerung des Tunneldaches in Richtung Lindenhof um zwölf Meter, das durch die Gleisverlegung nötig geworden ist.

Auch der Fachbereich Tiefbau der Stadt Mannheim zeigte sich auf Anfrage von Lindenhof aktuell sehr verwundert über das Gerücht, der Tunnel solle für Autos geschlossen werden. „Wir haben eine Beschlussvorlage des Ausschusses für Umwelt und Technik von 2011, den ‚Grundsatzbeschluss Tunnelstraße‘“, so Abteilungsleiter Oliver Sachs, „das ist derzeit unser Arbeitsauftrag“. In der Vorlage sind vier Varianten der Sanierung vorgesehen, die Verwaltung sprach sich damals für eine Variante aus, die einen jeweils 1,50 Meter breiten Fahrrad und Gehweg sowie eine 3,50 Meter breite Straße vorsieht. „Mittel- bis langfristig soll der Tunnel auch saniert werden, aber dafür stehen momentan keine Mittel zur Verfügung“, so Sachs. Lediglich der Abschnitt, in dem die Bahnarbeiten stattfinden, wird also saniert. „Und warum sollte die Bahn das sanieren, wenn es Pläne zur Schließung geben soll?“, gibt Sachs zu bedenken.

Glückstein-Quartier

Die Arbeiten zur Erweiterung des Glückstein-Parkes sowie zu den dort angenzenden Stadtvillen sind im vollen Gange, doch auch an drei weiteren Stellen sollen bald die Bagger anrücken. So hat sich der Spatenstich zum neuen Parkhaus am Viktoria-Turm ein wenig verzögert, Projektkoordinator Ottmar Schmitt sieht jedoch gute Chancen, dass dies Anfang nächsten Jahres nachgeholt wird. „Man ist dort bei den Bauvorbereitungen“. Dies ist man auch beim Baufeld 11, dem Areal zwischen Glückstein-Allee, Gontardstraße und Bellenstraße. Auf dem rund 700 Quadratmeter großen Grundstück ist ein sechsgeschossiges Gebäude mit insgesamt 34 Wohnungen geplant.

Ein weiterer Schritt ist der Verkauf des Lokschuppens. Die Mannheimer Erwerbergemeinschaft Jarcke/Kuchenbuch/Köster hat Mitte August den Lokschuppen und das Werkstattgebäude im Glückstein-Quartier gekauft. Das neue Nutzungskonzept wurde dem Bezirksbeirat Lindenhof und interessierten Bürgern bereits vorgestellt, im Lokschuppen werden die Büros für beide Unternehmen der Käufer, das Architekturbüro von Matthias Jarcke und das Unternehmen Krücken Organic, eingerichtet. Das Werkstattgebäude, das dem Lindenhof und dem Hanns-Glückstein-Park zugewandt ist, soll für die Öffentlichkeit zugänglich sein. Vorgesehen sind ein Biomarkt und Gastronomie. Die Sanierung und der Umbau der Gebäude werden in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde vorgenommen. Das filigrane Holztragwerk im Lokschuppen, die großen grünen Metalltore, die drei Gleise, die durch das Gebäude führen und die Grube, von der aus Wartungsarbeiten an den Loks durchgeführt werden konnten, müssen erhalten bleiben. Ein nachträglich an den Lokschuppen angefügter Anbau wird entfernt und die Fassade in ihrer ursprünglichen Form an dieser Stelle soweit möglich wieder hergestellt.

Ende November entschied sich der Gemeinderat dafür, das neue Technische Rathaus im Glückstein-Quartier zu errichten. Der Standort soll das Baufeld 5, das Areal zwischen der Gontardstraße und dem zukünftigen Parkhaus, sein. Mit gemischten Gefühlen sehen das die Vorstandsmitglieder der Bürger-Interessen-Gemeinschaft BIG: „Ein Verwaltungsgebäude wie ein Technisches Rathaus ist kein Leuchtturm, der weitere Investoren lockt“, sagt Marc-Oliver Kuhse, der im BIG-Vorstand für das Thema Glückstein-Quartier zuständig ist, „Mannheim braucht zwischen dem Neckarauer Übergang und dem Victoria-Turm weitere Architektur mit Strahlkraft auf dem Lindenhof“.

Meeräckerplatz

Die BIG ist auch in Sachen Meeräckerplatz aktiv, vor kurzem lud der Vorsitzende Jens Flammann zu einem „runden Tisch“ in die Lanz-Kapelle. Das Thema: „Woher kommen die über zwei Millionen Euro für die Sanierung“. Das Problem: Im aktuellen Etat der Stadt ist bis 2017 kein Geld für eine Sanierung vorgesehen – das bestätigten auch die bei der Runde anwesenden Stadträte Prof. Dr. Heidrun Kämper (SPD) und Wolfgang Taubert (ML).  Und da demnächst wieder die Haushaltsverhandlungen anstehen, will die BIG mit verschiedenen Aktionen Stadträte und Entscheidungsträger für das Thema Meeräckerplatz sensibilisieren und gewinnen. Eine Möglichkeit sollte beispielsweise ein Anschreiben an alle Gemeinderäte sein.    sabi/zg

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