Kapellen-Rettung mit Hindernissen

von am 6. März 2017 in Artikel-Archiv

Es ist kaum zu glauben: 15 Jahre steht die Lanz-Kapelle nun schon auf dem Gelände des Lanz-Parks. In der Zwischenzeit ist sie nicht nur ein Zeichen für herausragendes bürgerliches Engagement, sondern ein über die Stadtteilgrenzen hinaus bekanntes Erkennungszeichen für den Lindenhof. Doch es hätte auch anders laufen können. 

Ohne den Einsatz des BIG-Mitglieds Wolf Engelen, der im Namen der Bürger-Interessen-Gemeinschaft unermüdlich für den Erhalt der kleinen Kapelle kämpfte, wäre diese vielleicht für immer verschwunden.

Nicht jeder weiß, dass die Lanz-Kapelle einst an einem anderen Ort im Lindenhof stand. Sie war Teil des Lanz-Krankenhauses, das bis 1998 in der Meerfeldstraße stand – rund 100 Meter vom jetzigen Kapellenstandort. Da Versuche der BIG Lindenhof, den Krankenhauskomplex unter Denkmalschutz zu stellen, letztendlich scheiterten, folgte der Abriss. Die Kapelle hingegen wurde versetzt. „Wiederaufbau an einer anderen Stelle – so etwas machen eigentlich nur die Amerikaner“, sagte BIG-Vorstandsmitglied Marc-Oliver Kuhse am 15. Februar in der Lanz-Kapelle, als der 15-jährige „Wiedergeburtstag“ gefeiert wurde, und betonte damit die Besonderheit der Aktion.

Eine Besonderheit, die den Akteuren jedoch etliche Nerven und viel Durchhaltevermögen gekostet haben, wie aus Wolf Engelens Worten deutlich wurde. Er blickte für die Gäste des Abends noch einmal auf die Geschehnisse zurück und machte deutlich, wie spannend der Weg bis zum Wiederaufbau des Kleinods war. „Die BIG wurde im Jahr 1995 auf den geplanten Abriss der Lanz-Kapelle Lindenhof und des alten Heinrich-Lanz-Krankenhauses aufmerksam“, erzählte er. Da der Bürgerverein in seiner Satzung unter anderem auch den Denkmalschutz zu seinen Aufgaben erklärt habe, seien die Vorstandsmitglieder damals  sofort hellwach gewesen und reagierten schnell. Das Lanz-Krankenhaus konnten die BIG-Mitglieder samt Unterstützer nicht retten. Nicht zuletzt, weil auch die Stadt Mannheim keine wirklich helfende Hand reichte. Laut Engelen habe der damalige Oberbürgermeister Gerhard Widder nach der Entgegennahme einer Unterschriftenliste für den Erhalt der alten Gemäuer zwar versprochen, dass sich die Stadt für den Erhalt einsetzen werde. Doch, so Engelen, es wurde „ein Versprechen, an das wir uns in den folgenden Monaten noch schmerzlich erinnert haben“.

Es folgte ein schier endloses Hin und Her mit dem Ergebnis, dass das Regierungspräsidium Karlsruhe Kapelle und Krankenhaus als nicht erhaltenswert einstufte. 1998 kaufte das Unternehmen Diringer und Scheidel die Gemäuer für 17 Millionen D-Mark. Der geplante Abriss war in trockenen Tüchern, mit dem Segen des Landes Baden-Württemberg und dem „ab sofort einsetzenden Schweigen der Stadt Mannheim, da diese um die versprochene Reinvestition dieser Summe bangte“, so Engelen. „Unser Glaube an die Politik war restlos dahin.“

Die BIG habe es laut Engelen jedoch geschafft, nach intensiven Verhandlungen die Lanz-Kapelle auf eigene Rechnung und eigenes Risiko zu bergen, wenn dadurch der Abriss des Krankenhauses nicht verzögert werde. Stein für Stein wurde das kleine Gebäude nach einem Vorschlag des BIG-Mitglieds Harald Baumann abgetragen und die Einzelteile für den Wiederaufbau gekennzeichnet. Über den 14. Juli 1998 erzählte Engelen: „Seit fast vier Wochen sind Harald Baumann und ich täglich zwölf bis 14 Stunden im Einsatz, um die von der BIG zu erledigenden Aufgaben termingemäß durchzuführen.“ Neben der kompletten Familie Baumann unterstützten fortan auch immer mehr Lindenhöfer die beiden Arbeiter beim Abbau der Lanz-Kapelle. Ein Zwischenlager fand dann die historische Substanz bei den John-Deere-Werken in direkter Nachbarschaft.

Schlussendlich wandte sich das Blatt – wie auch heute ersichtlich – also zum Guten. Ein Grundstück wurde gefunden, die Finanzierung ermöglicht. Selbst der Stadtrat der Stadt Mannheim genehmigte 150.000 D-Mark, die der BIG für den Wiederaufbau der Lanz-Kapelle zur Verfügung gestellt wurden. „Wir sahen endlich ein wenig Licht am Ende des Tunnels“, kommentierte Wolf Engelen.

Am 15. Februar 2002 – zwölf Monate nach dem ersten Spatenstich zum Wiederaufbau – stand die offizielle Eröffnung und Einweihung an. Etwas, dass anfangs fast unmöglich erschien, wurde Wirklichkeit. So beendete Wolf Engelen bei der 15-Jahr-Feier, die von der Chorgemeinschaft MGV Lindenhof/GV Postalia musikalisch begleitet wurde, seinen rückblickenden Vortrag auch mit den Worten: „Werden wir uns der großen Kraft, die in uns steckt, wieder stärker bewusst, damit wir den Mut haben, auch in Zukunft wieder Dinge anzupacken, die uns im Grunde keiner zutraut.“              jm

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