Ein Mahnmal gegen das Vergessen

von am 16. April 2016 in Artikel-Archiv

Zwei Jahre ist das Mahnmal für die Opfer der Zwangssterilisierungen in Mannheim schon unterwegs. Es hat keinen festen Standort, sondern erinnert an verschiedenen Schauplätzen in der Quadratestadt, an denen während des Nationalsozialismus fast 2000 Menschen Opfer wahnwitziger Gesetze wurden, an unfassbare Grausamkeiten. 

Grundlage war damals das erste NS-Rassengesetz. Angeordnet wurden die Zwangssterilisierungen vom Erbgesundheitsgericht. Seit Ende März steht das Mahnmal nun im Lindenhof am Haupteingang des Diakonissenkrankenhauses.

Initiiert wurde das vom Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus in Mannheim. Gestaltet hat das Mahnmal der Künstler Michael Volkmer. Mit einem Festakt wurde sein Werk am Diakonissenkrankenhaus am 22. März offiziell in Empfang genommen. Jährlich wechselt sein Standort, um bei den Institutionen aufgestellt zu werden, die an der Durchführung der Zwangssterilisierungen aktiv beteiligt waren. Darunter fallen auch das heutige Universitätsklinikum, der Fachbereich Gesundheit und das heutige Diakonissenkrankenhaus, das vor einigen Jahren aus der Fusion des Diakonissenkrankenhauses mit dem Heinrich-Lanz-Krankenhaus hervorging.

In seiner Begrüßung bezeichnete Pfarrer Dr. Günter Geisthardt, der Vorsteher der Diakonissen Speyer-Mannheim, die zwölfjährige Nazi-Unrechtsherrschaft als einzigartigen Zivilisationspunkt. Das Mahnmal sei eine Erinnerung an die Missachtung der Menschenrechte dieser Zeit. „Nach der Zerstörung des Mutterhauses in F7 im Zweiten Weltkrieg haben wir keine Akten mehr, die diese Vorgänge beweisen“, erklärte Geisthardt. Es sei aber belegt, dass zahlreiche christliche Krankenhäuser an der Durchführung beteiligt waren. Er blickte allerdings nicht nur in die Vergangenheit zurück, sondern erinnerte auch an die aktuellen Missachtungen der Menschenrechte weltweit, die nicht in Vergessenheit geraten dürften.

Auch Bürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb richtete ein Grußwort an die Anwesenden, darunter zahlreiche Schüler des Ludwig-Frank-Gymnasiums, die die Patenschaft für das Mahnmal an Schüler der Wilhelm-Wundt-Realschule und des Bach-Gymnasiums übergaben. Freundlieb hob die Wichtigkeit der Schülerbeteiligung am Mahnmal-Projekt hervor. „Sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen bedeutet, sich mit dem Nationalsozialismus auseinanderzusetzen – mitsamt der grausamen Ideologie“, sagte sie. Auch sie blickte auf die heutige Zeit. Eine Zeit, „in der Asylheime brennen und der Zulauf zu rechten Parteien hoch ist“. Nun müsse man neuem Unrecht Grenzen setzen, so Freundlieb.

Eine szenische Lesung des Arbeitskreises machte spürbar, was die Zwangssterilisationen für die Betroffenen bedeuteten. Basierend auf Originaldokumenten, stellten sie die Schicksale dreier Betroffener dar und wiesen auf ein doppeltes Unrecht hin, das ihnen widerfahren sei. Denn auch nach Ende des Nationalsozialismus seien sie über Jahrzehnte nicht als Opfer der Nazis anerkannt worden. Daher sehe der Arbeitskreis das Mahnmal auch als eine Entschuldigung bei den Opfern, deren Angehörigen und Nachfahren an.                 jm

i Der Arbeitskreis Justiz und Geschichte des Nationalsozialismus ist eine Gruppe politisch engagierter Menschen, die auf lokaler Ebene zur Geschichte des Nationalsozialismus und zur Nachkriegsgeschichte in Mannheim recherchieren.

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