Die „gefühlte Demokratie“

von am 14. März 2016 in Artikel-Archiv

Es kommt sehr selten vor, dass die Presse von Mitgliederversammlungen ausgeschlossen wird. Eigentlich schätzen Vereine die Anwesenheit der Medien – ist ja Öffentlichkeitsarbeit ohne Aufwand. Vor allem, wenn eine Neuwahl auf der Tagesordnung steht. Doch wenn die Presse dann mit den Worten „Sie sind nicht eingeladen“ vom Vorsitzenden des Saals verwiesen wird, dann weckt das Misstrauen. Obwohl auf der Homepage darauf hingewiesen wurde, dass „Interessierte“ an diesem Abend willkommen sind. Die Presse aber nicht? Nach Gesprächen und Interventionen einiger BIG-Mitglieder durfte „Lindenhof aktuell“ dann doch an der Versammlung teilnehmen – und wurde nach dem „Lanz-Kapellen-Verbot“ sehr enttäuscht. Denn: Es war eine ganz normale Mitgliederversammlung! Der einzig wirklich brisante Punkt auf der Tagesordnung sollte die Neuwahl des Vorstandes sein. Hier gab es einige Wortgefechte. Aber mal ehrlich: bei welcher Mitgliederversammlung gibt es die nicht? Das ist Demokratie. Jeder kann sagen, was er denkt. So auch bei der BIG. Nur wie man damit umgeht beweist, ob man es wirklich demokratisch meint.

Dass ein Vorsitzender sich auf eine Wahl vorbereitet und ein eigenes Team aufstellt, kann man ihm kaum verübeln. Dass dies für einige Mitlieder der BIG gefühlt „undemokratisch“ ist, kann man aber auch nachvollziehen. Denn es wurden den Mitgliedern nur zwei Alternativen offeriert: Entweder einen „Block-Vorstand“ zu wählen oder Einzelwahl. Verbunden damit war aber die Drohung, dass Mitglieder des Vorstandes nicht mehr zur Verfügung stehen, wenn dieser „Block“ nicht gewählt werden sollte. Ist das Erpressung? Oder freie Wahl? Freie Wahl ohne Alternativen? Demokratie? Zu dem ganzen Prozedere sah die Tagesordung auch noch eine Satzungsänderung vor. Jens Flammann bewegte sich so jedenfalls als Vorsitzender in den zulässigen Grenzen, die das Vereinsrecht bietet und konnte die Mehrheit der Stimmen auf sich vereinen. Es wurde für die „Blockwahl“ gestimmt und der „Block“ wurde gewählt. Also alles „demokratisch“. Aber „gefühlt“ wurde den Anwesenden eine Anleitung zum Wählen präsentiert – ohne Alternativen, die offensichtlich auch keiner im Vorstand wollte. Und die auch nicht da waren. So weit kann man den Vorwurf an die Mitglieder formulieren, die gegen diesen Vorstand sind: Wenn nicht diesen, welchen dann? Nicht „gefühlt“, sondern höchst undemokratisch war jedenfalls der anfangs formulierte Ausschluss von „Lindenhof aktuell“. Und auch der nett gemeinte Hinweis des frisch gewählten Vorsitzenden am Ende der Sitzung, dass bitteschön „verantwortungsvoll berichtet werden soll“, beweist eigentlich nur, dass möglicherweise eine Angst vor gelebter Demokratie und Meinungsfreiheit vorherrscht. Aber wieso? Es war doch eigentlich  nur eine normale Mitgliederversammlung …

Alexander Syri

 

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