Die etwas andere Baustelle im Quartier

von am 10. Februar 2020 in Artikel-Archiv

Kräne hieven Material hoch und runter, Lastwagen kommen und gehen, es wird gehämmert, gebohrt, verlegt, befestigt, angebracht. Einen großen Unterschied zu manch anderen Baustellen in Mannheim lässt sich im Glückstein-Quartier bei der Entstehung des neuen Technischen Rathauses (NTR) auf den ersten Blick nicht erkennen. Doch es gibt ihn, was besonders im Innern deutlich wird. Denn während die einen Arbeiter noch kräftig an der Fassade und den Etagen bauen, verlegen andere ein paar Stockwerke darunter schon Teppichboden. Einige Räume sind gar fast schon so gut wie bezugsfertig.
Lean-Management nenne sich das System, das heutzutage noch nicht gang und gäbe ist, erläutert Sebastian Salvamoser. Er ist der Projektleiter von der Firma Implenia, die im Auftrag der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft das NTR errichtet. Und bei diesem System läuft der Bau etwas anders als gewohnt ab. „Er wird in unterschiedliche Abschnitte unterteilt“, erklärt dazu der GBG-Projektleiter Jochen Endrich. Doch was heißt das? Sobald eine Rohbauetage steht, beginnen darin Handwerker wie Elektriker, Heizungsbauer oder Teppichverleger abschnittsweise schon mit ihrer Arbeit. Also noch bevor der komplette Rohbau fertig ist. Jedes Gewerk hat für seinen Abschnitt jeweils eine Woche Zeit, bevor es in den nächsten Abschnitt weiterrotiert.
„Das ist keine übliche Vorgehensweise“, so Sebastian Salvamoser. Doch sie habe gewaltige Vorteile. „Der Ablauf ist reibungsloser. Alles, zum Beispiel der Personalaufwand, kann genauer geplant werden. Und es wird weniger verschwendet.“ Jochen Endrich fügt noch weitere Pluspunkte hinzu: „Durch diese Arbeitsweise kommt es zu einem Wiederholungseffekt. So können Fehler ausgemerzt und besprochen werden, damit sie im nächsten Abschnitt nicht mehr passieren.“ Ein selbstoptimierendes System also. „So kommen wir auf das genaue Maß an Aufwand, das wir brauchen“, sagt Sebastian Salvamoser. Alles in allem wird der Bauablauf durch das Lean-Management konstanter und dadurch schneller. „Deshalb sind wir auch ziemlich genau im Zeitplan“, sagt der Imple- nia-Projektleiter. Das NTR soll im Dezember fertig sein. Es bleibt im Besitz der GBG und wird an die Stadt Mannheim vermietet.
Durch dieses besondere, abschnittsweise Verfahren profitieren laut Jochen Endrich zudem auch kleinere regionale Firmen. Denn: „Es müssen nicht gleich 20 Mitarbeiter auf eine Baustelle entsandt werden“, erklärt er. Was kleinere Unternehmen unter Umständen nicht bewerkstelligen könnten. Zudem treten sich die Handwerker durch das rotierende System auch nicht gegenseitig auf die Füße, da sie nicht gleichzeitig an einem Abschnitt arbeiten. Beim Gang durch die Baustelle fällt tatsächlich auf: Die einzelnen Abschnitte sind nicht überfüllt. Es herrscht vielmehr eine Ordnung vor, mit der man auf einer so großen Baustelle als Laie eher nicht rechnet. Und so sind Jochen Endrich und Sebastian Salvamoser überzeugt: Dieses noch unübliche Baustellensystem werde sich in Zukunft bestimmt durchsetzen.
Aktuell profitiert der NTR-Bau davon, der zukünftig rund 700 Mitarbeiter der technischen Verwaltung der Stadt Mannheim beherbergen wird. Er wächst stetig. Dafür sind an einem normalen Bautag vier Kräne und durchschnittlich 100 bis 120 Arbeiter im Einsatz. Es entstehen 13 Vollgeschosse und eine Tiefgarage. Der präg–nante Hochhausteil überragt nach der Fertigstellung 56 Meter. Neben den Büroräumen für die Verwaltungsmitarbeiter sowie Sitzungssälen und Besprechungsräumen finden im NTR zusätzlich eine Kindertagesstätte für acht Kinder, ein Betriebsrestaurant mit Cafeteria, das Bürgerservicebüro Lindenhof und das Büro des Nachbarschaftsverbands Rhein-Neckar-Kreis Platz. „Es wird ein gutes, schönes und modernes Gebäude“, ist Jochen Endrich überzeugt. „Man kann sich darauf freuen.“ zg

i Daten zum Neuen Technischen Rathaus im Glcükstein-Quartier:: Baubeginn: Juli 2018, erwartete Fertigstellung: Ende 2020 Geschosszahl: 13 Vollgeschosse, ein Untergeschoss. Fläche: Rund 29.300 Quadratmeter (Brutto-Geschossfläche). Kosten: Rund 93 Millionen Euro. Ausführender Generalunternehmer: Implenia Niederlassung Karlsruhe Hochbau.

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