Die Baustelle Lindenhof wird größer

von am 8. September 2014 in Artikel-Archiv

Umleitungen, Sperrungen, Baustellen: Der Lindenhof ist ein leidgeprüfter Stadtteil, was Baumaßnahmen angeht. Grund dafür war in der Vergangenheit vor allem der Neubau des Glückstein-Quartiers. Ab September gesellt sich nun noch die Deutsche Bahn hinzu, denn im Zuge des Neubaus von Bahnsteigs F am Hauptbahnhof wird zum einen die Tunnelstraße (auch „Suez-Kanal“) für Autofahrer gesperrt, zudem soll für etwa ein halbes Jahr lang die Südtangente ein kleines Teilstück lang auf zwei Spuren reduziert werden. Maßnahmen, die nicht gerade für Begeisterung bei der sowieso von vielen Maßnahmen gebeutelten Lindenhöfer Bürgerschaft sorgen. Das wurde bei einem Info-Abend der Bahn in der Lanz-Kapelle deutlich, bei dem sich Mitarbeiter der DB informieren wollten und den Fragen der Bürger stellten. 

 Ehe Jürgen Friedmann (Marketing und Kommunikation der DB) und DB-Projektleiter Stefan Geckle die Bauvorhaben vorstellen sollten, begrüßte der BIG-Vorsitzdende Jens Flammann die beiden, nicht ohne schon darauf hinzuweisen, dass der „Lindenhof geschlagen ist mit der Verbindung zur Innenstadt“.

Die Gründe, so Geckle im Anschluss, für den Neubau des Bahnsteiigs F liegen auf der Hand: „Der Hauptbahnhof in Mannheim ist als einer der wichtigsten und größten Knotenpunkte im Südwesten auch einer starken Belastung ausgesetzt, was oft zu Verspätungen der Züge führt, die den Plan für ganz Deutschland beeinflussen“. Mit dem Bau des neuen Bahnsteiges soll der Bahnhof entlastet werden. Dies beinhaltet jedoch einen Rückbau von 2800 Metern Gleise und 14 Weichen sowie einen Neubau von rund 2200 Metern Gleis und 20 Weichen. Und diese verlaufen nun auch einmal über ein Stück des Suez-Kanals.

„Hier sind natürlich tagsüber Schienen in Gebrauch, deshalb werden wir viel in der Zeit von 24 bis 4 Uhr nachts arbeiten müssen“, so Friedmann. Und weil das auch sehr sensible Arbeiten sind, werden sich die Arbeiten voraussichtlich drei Jahre hinziehen. Zunächst soll der Tunnel bis Juni 2015 voll gesperrt, anschließend für den Rad- und Fußgängerverkehr freigegeben werden.

Die zweite Baustelle, also die halbjährige Sperrung einer Spur der B36, wird nötig, weil in dem Bereich des neuen Bahnsteigs viele Kabel für Kommunikationstechnik verlaufen, die nun verlegt werden müssen, und zwar in Richtung des Stellwerks (Bild Punkte 2 und 3).

In der sich anschließenden Fragerunde stieß vor allem ein Punkt auf Unverständnis: Eine Planfeststellung ergab, so Geckle, dass auch „bei einer größeren Anzahl von Reisenden, die mit dem Bau des Bahnsteigs einhergeht, die Kapazitäten der Unterführungen im Bahnhof ausreichen, also keine Erweiterung der Unterführung notwendig ist. Das sehen viele Bürger anders, zumal mit dem Bau des benachbarten Glückstein-Quartiers rund 6000 Menschen mehr im Stadteil verkehren und mit Sicherheit auch den Weg in die Innenstadt suchen werden. Die Planfeststellung, so Friedmann, sei in Abstimmung mit Vertretern der Stadt und der Feuerwehr geschehen – auch dies stieß auf Unverständnis der in der Kapelle anwesenden Bürger und Politiker des Stadtteils. Man könne die Bedenken der Menschen nachempfinden, so die Vertreter der Bahn, ändern wird sich jedoch nichts, weil die Gutachten und Zählungen, die von der Bahn in Auftrag gegeben worden sind, nunmal Bestand haben und gelten. Verbesserungsvorschläge, wie zum Beispiel der von Stadtrat Volker Beisel, sind ebenfalls zwar interessant, aber kein Thema bei der Bahn. Beisel fragte nach, warum nicht im Zuge der Arbeiten an der Tunnelstraße die fälligen Sanierungen nicht zeitgleich in Angriff genommen werden, damit der Tunnel in ein paar Jahren nicht schon wieder gesperrt werden muss. Oder warum man  nicht den Westtunnel, der bei den Arbeiten zu Bahnsteig F verlängert wird, noch 25 Meter weiter bohrt und man so einen Zugang zum Lindenhof schafft. Das seien alles Maßnahmen, die neue Pläne und Mehrkosten verursachen würden, so die Vertreter der Bahn. Zudem sei man mit dem Projekt Bahnsteig F beauftragt, das andere seien „andere Spielwiesen, bei denen es teilweise auch andere Ansprechpartner gibt“, so Friedmann. Die Bahnmitarbeoiter versuchten an diesem Abend so zwar geduldig die Fragen der Bürger so gut es ging zu beantworten, hinterließen aber wohl mehr Fragezeichen als Antworten.            syr

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