Dammsanierung: Lindenhof außen vor?

von am 21. Februar 2018 in Artikel-Archiv

Eigentlich las sich die Tagesordnung der letzten öffentlichen Bezirksbeiratssitzung recht harmlos, es sollten lediglich die Pläne zum Bau des Lindenhofplatzes von Seiten der Stadt erläutert werden. Wirklich interessant wurde es allerdings beim Punkt „Verschiedenes“ am Ende, hier ging es um drei Themen, die die Bürger und auch die Bürgerinitiative BIG beschäftigen: Die Sanierung des Rheinhochwasserdamms, die Schließung des St. Josef-Kindergartens sowie der Bau des neuen Kinderspielplatzes im Glücksteinpark.

Die Pläne zum Lindenhofplatz standen doch zunächst im Mittelpunkt (wir stellten diese bereits in der Dezemberausgabe ausführlich vor), Harald Thiele vom Fachbereich Stadtplanung präsentierte diese mit Hilfe einiger Grafiken. Hier erkannte Marcus Butz (SPD) etwas sehr Erfreuliches: „Erkenne ich das richtig, dass hier ein weiterer Fußgängerweg zum Bahnhofseingang eingeplant ist?“ Zur Erinnerung: Die Bezirksbeiräte bemängelten in einer der vorhergehenden Sitzungen, dass es lediglich einen Zugang zu eben diesem Eingang über den Lindenhofplatz gebe. Man war sich sicher, dass sich Fußgänger um Zeit zu sparen auch andere Wege suchen werden. Dies wurde offensichtlich von der Stadtplanung erhört und in die Pläne aufgenommen, „ja, der zweite Weg ist fest eingeplant“, so Thiele. Er führt dann zwischen dem Gebäude der Gerch-Group und dem neuen Parkhaus zum Bahnhofseingang.
Im Anschluss hatten die Bezirksbeiräte aber noch einige weitere Fragen – zu sehr detailierte wie sich herausstellen sollte. Die anwesende Stadträtin Dr. Adelheid Weiss beispielsweise stellte die Frage nach der Anbindung zum Suez-Kanal, Peter Karbstein (Grüne) und auch Dr. Michael Kost (FW) hakten nach. Aus einer Grafik wurde nicht genau ersichtlich, ob der Verkehr über den zukünftigen Lindenhofplatz in die Rennershofstraße einfahren kann oder nicht. Dies, so Thiele, seien doch sehr technische Fragen, die er leider nicht beantworten kann, „das ist eher Sache der Verkehrsplanung“. Auch die Frage von Friedrich Lutterkort (CDU), wieviele Bäume denn nun in diesem Bereich gefällt werden, musste der Abgesandte der Stadt unbeantwortet  lassen. Stadträtin Prof. Dr. Heidrun Kämper (SPD) sprang Thiele dann schließlich zur Seite: „Da scheint es Missverständnisse zu geben, wir sprechen hier heute nur über einen Entwurf eines Wettbewerbs. Viele Dinge sind noch gar nicht entschieden.
Eine letzte Frage von Dr. Michael Kost wurde aber dann doch noch beantwortet, er wollte wissen, ob die Finanzierung des Baus denn gesichert sei „und nicht wie beim Meeräckerplatz, wo es zuerst einen Entwurf, dann aber kein Geld dafür gab“. Hier konnte Thiele beruhigen: „Alle Kosten sind im Haushalt verankert“.
Zum Ende der Sitzung kam es schließlich zum Punkt „Verschiedenes, auf den sich Bezirksbeirat Wolf Engelen (FDP) besonders vorbereitet hatte. Hier ging es ihm vor allem um die geplante Sanierung des Rheinhochwasserdamms vom „Großkraftwerk bis zur Speyerer Straße“ wie es in einer Vorlage heißt.  „Der Bezirksbeirat in Neckarau und die Bürger dort wurden von der Stadt ausführlich hierzu informiert“, so Engelen, „dabei wurde aber außer Acht gelassen, dass es bei der Ertüchtigung auch um die Strecke zwischen Schwarzwaldstraße 38 bis 106 geht“ – also rund einen Kilometer auch auf Lindenhöfer Gebiet. „Der BBR Lindenhof bat deshalb die Stadt, den Rat und die Bevölkerung in der heutigen Sitzung – immerhin sechs Monate später – ebenfalls zu informieren“, so Engelen, „die Stadt Mannheim setzte diesen Punkt ohne Absprache mit uns ab und verwies auf eine Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt, wo die Lindenhhöfer Bezirksbeiräte ‚beigeladen‘ wurden“.  Da es aber für die Räte in dieser Sitzung nicht dasselbe Rederecht wie hier gibt, griff Engelen das Thema nun unter „Verschiedenes“ auf.  Zudem wies er auf die möglichen Folgen hin: „Die Auswirkungen wären ökologisch gewaltig. Zunächst einmal müssten wegen der gewünschten zehn Meter baumfreien Zone vor und hinter dem Damm und auf Privatgrundstücken viele hundert Bäume gefällt werden, die den Damm viele Jahrzehnte mit ihrem Wurzelwerk gegen Hochwasser stabilisiert“. Zudem werden die Aktivitäten auf Privatgrundstücken keineswegs erläutert, „das ist alles sehr lauwarm“, so Engelen. „Bei Frau Dörr und mir laufen mittlerweile die Telefone heiß, weil viele Bürger besorgt sind – da fällt sogar schon das Wort Enteignung“. Dass dieses Thema sehr erklärungsbedürftig ist, bemerkten auch die Räte Butz und Karbstein. „Warum wurden wir nicht informiert? Da fragt man sich, ob man als ernstzunehmender Partner wahrgenommen wird. Das hat uns sehr geärgert. Über das Anliegen diskutieren kann man nur, wenn man informationstechnisch eine solide Grundlage vorweisen kann“, so Butz. So sieht das auch Karbstein: „Neckarau wurde informiert, wir waren außen vor. Was sind denn die Beweggründe der Stadt hierfür?“ Offensichtlich, so Engelen, gab es auch ein Kommunikationsproblem auf höherer Ebene. Er stehe in Kontakt mit dem Regierungspräsidium, hier gebe es verschiedene Erklärungen. Unter anderem, dass man nach der Speyerer Straße nicht mehr von einem Damm, sondern von einer Böschung redet und somit der Lindenhof von Informationen ausgeschlossen wurde.
Peter Karbstein informierte die Runde auch noch darüber, dass er der Beauftragte des Bezirksbeirates für den Ausschuss für Technik und Umwelt sei, „ich werde an der Sitzung auf jeden Fall teilnehmen und auch Einspruch einlegen“. Engelen äußerte noch Bedenken, dass nach der Sitzung „fleißig weiter geplant werde und wir uns nicht mehr einbringen können“. Hier beruhigte ihn aber Stadträtin Kämper: „Im Ausschuss wird nichts beschlossen, der Bezirksbeirat kann dann noch reagieren“.
Auch die nächste Wortmeldung aus dem Publikum ließ aufhorchen, hier ging es um den neuen Kinderspielplatz, der momentan an der Ecke Lindenhofstraße/Windeckstraße entsteht. „Ich war schockiert, als ich das gesehen habe“, so eine Bürgerin aus dem Publikum, „hier stehen zwei große Betonmauern, hinter der Kinder spielen sollen, die Schaukeln enden an Betonpfeilern, es ist kaum Platz für Kinder zum spielen.
Die Spielgeräte stehen außerdem so weit zusammen, dass wenn ein Kind schaukelt, das andere Kind nicht rutschen kann, weil sie sich dann in die Quere kommen“. Und schließlich: „Der Spielplatz ist durch die Betonmauern sehr schwer einsehbar, das erhöht doch die Unfallgefahr. Ich will nicht wissen, was da alles passieren kann.“
Bezirksbeirat Karbstein und Bernhard Welker von der BIG bemängelten zudem, dass man Pläne von der genauen Gestaltung des Spielplatzes nie zu sehen bekam. BBR Dr. Ingeborg Dörr meinte, es hätte schon Pläne gegeben, dort waren Zäune aufgemalt. „Doch aus den Zäunen sind nun 2,30 Meter hohe Schlossmauern geworden“. Marcus Butz merkte auch noch an, dass in der Planung außerdem eine unterbrochene Mauer vorgesehen war, „es waren auf jeden Fall andere Dinge vereinbart als das, was gerade gebaut wird“. Der Vorschlag der Sitzungsleiterin Nuran Tayanc stieß dann auf Wohlwollen: „Eine Ortsbegehung mit dem Bezirksbeirat wäre angebracht – möglichst bald“.
Zum Ende gab es noch eine Wortmeldung aus dem Publikum, die ebenfalls für Erstaunen bei einigen sorgte. Eine Dame vom Elternbeirat des St. Josef-Kindergartens in der Bellenstraße verkündete, dass eben jener Hort demnächst seine Pforten schließen will. „Da fallen 40 Kindergartenplätze weg“, so die Dame. Zwar gebe es Pläne die Kinder in einen Neubau bei Maria Hilf im Almenhof unterzubringen, genaue Informationen gebe es aber momentan noch nicht.
Stadträtin Kämper bemerkte hierzu, dass es Pläne gebe die Plätze in den nächsten zwei Jahren aufzustocken, „der Bildungsausschuss der SPD hat hierzu bereits einen Antrag gestellt“. Aber auch Sitzungsleiterin Nuran Tayanc musste eingestehen, dass die Situation für Eltern mit Kleinkindern im Stadtteil alles andere als ideal ist. „Familien mit zwei Jahre alten Kindern haben überhaupt keine Planungssicherheit, ob sie überhaupt einen Kindergartenplatz bekommen“, so Tayanc, „die Planungen sind hierfür viel zu kurzsichtig“. Das zentrale Verteilorgan der Stadt Mannheim „MeKi“ betreibe momentan lediglich Mängelverwaltung (Zu diesem Thema ein weiterer Artikel unten).                  sabi

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